BUCHINHALT
Was passiert im Kopf einer Person, wenn sie die Diagnose „Krebs“ trifft?
Schock. Elend. Angst. Verzweiflung. Ständiges Hinterfragen, warum ich?
Nicht so bei Susanna Fluri. Seit ihrer Kindheit lebt sie mit dem Gedanken dass sie vielleicht das
Krebs-Gen ihrer Grossmutter in sich tragen könnte. Sie erreicht das Ziel,
indem sie tatsächlich Krebs bekommt.
Ihre Lebenssituation im Moment des Ausbruches des Brustkrebses scheint eher an
anderen Missständen zu scheitern als am Krebs. Ihr Leben ist begleitet von Arbeitslosigkeit und
Krebserkrankung zweier Onkel. Also hat sie keine Zeit zum Kranksein. Was tun?
Sie findet eine neue Arbeitsstelle in einer wahren Männerdomäne.
Papierindustrie.
Im 4-Schichtbetrieb. Der Job besticht irgendwie durch seine Härte, gibt Susanna
aber auch die Möglichkeit, unter der Last zusammen zu brechen und sich endlich
um ihren Körper zu bemühen. Es folgt das volle Programm von Chemo-Therapien,
Brustabnahme, Bestrahlungen und Hormon-Therapie.
Und die Diagnose, dass der Krebs gestreut hat. In die Knochen.
Die Chemos verlaufen, bis auf zwei, in einem einigermassen vernünftigen Rahmen. Nach der ersten
und fünften Chemo-Therapie sieht Susanna Fluri ein bisschen in die andere Welt hinüber.
Sie hat damit die Möglichkeit am Tod zu riechen, was sie als „guten Zustand“ beschreibt
und der ihr definitiv die Angst vor dem Tod nimmt. Diese Erfahrung bringt sie sogar
zur Überzeugung, dass mit dem Tod nur der Körper stirbt.
Der Geist ist eine ganz andere Dimension und stirbt nicht.
Die Nebenwirkungen der Medikamente sind nicht die einzigen, die Susanna Fluri
wahrnimmt. Im Bekanntenkreis machen sich auch Nebenwirkungen bemerkbar,
die die Unzulänglichkeit vieler Menschen aufzeigt, mit Krankheit und Tod umzugehen.
Das Thema „Glatze“ wird zu einer haarigen Angelegenheit. Mütze oder Perücke?
Kratzen am Kopf hat die Tücke, dass die verrückte Perücke wieder zurechtgerückt
werden muss.
Warum nicht mal der Mut zur Veränderung? Krebs verändert ohnehin.
Im Laufe ihrer Geschichte muss Susanna Fluri von zwei geliebten Menschen Abschied nehmen.
Von einem der beiden Onkel und von ihrem Vater. Beide sterben an Krebs.
Trotzdem fühlt sie die Präsenz der lieben Verstorbenen immerzu und ist sich sicher, dass der Tod nicht scheidet.
Wie im richtigen Leben, knallen drei Werbeblöcke mitten ins Geschehen. Bitterböser, schwarzer Humor:
„Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Busen? Versuchen Sies mal mit Brustkrebs!“
Ebenso überrascht eine Todesanzeige für eine ehemalige Mitarbeiterin. Darin wird
der lieben und vor allem der verstorbenen Mitarbeiterin für ihren Einsatz in
der Firma gedankt. Reichlich spät, nicht?
Abrundend beinhaltet das vorliegende Buch doch viel abgründigen Witz. Die Autorin
hat die Gabe, trotz Tumor den Humor nicht zu verlieren. Weil die Hoffnung zuletzt
stirbt, gibt Susanna Fluri noch nicht auf. Ihren beiden Viechern hat sie versprochen,
dass sie sie zu Tode pflegt. Sie will noch reisen und sich auf das nächste Leben
vorbereiten. Denn dieses kommt bestimmt. Todsicher.